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Erik Gottwald, Tierrechtler und Tierschutzaktivist, im Gespräch mit Michael Vogt über die Vision einer Welt mit gelebten Tierrechten.

Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden. (G. C. Lichtenberg)

Wir gestehen anderen Menschen Menschrechte ein, weil wir davon ausgehen, daß alle Menschen ein Interesse haben, nicht zu leiden und zu sterben. Es gibt auch Interessen in denen wir uns stark unterscheiden. Der eine verfolgt einzig das Ziel zu arbeiten um sich sein Traumauto zu leisten, ein anderer möchte ein harmonisches Leben in Einklang mit der Natur genießen. Dies hat aber keine Auswirkung auf das Grundinteresse auf Menschrechte.

Die Fähigkeit Schmerzen zu fühlen und Leben zu wollen reicht als einzig gemeinsamer Nenner aus. Was so selbstverständlich klingt ist es leider nicht. Erst vor ca. 150 Jahren erkannte man in Amerika, daß es Unrecht ist, daß weiße Menschen schwarze Menschen als Sklaven halten dürfen. Erst vor ca. 50 Jahren wurden ihnen die gleichen Rechte zugesprochen. Erst 1971 bekamen Frauen in der Schweiz das Wahlrecht. Vielleicht wird nun klarer, warum nichtmenschlichen Tieren ihre Rechte noch verwährt bleiben.

Allen Tieren das Recht auf ein Leben ohne Schmerzen einzugestehen, frei von menschlicher Herrschaft, ist die logische Weiterführung anderer Befreiungsbewegungen. Auch nichtmenschliche Tiere haben unterschiedliche Interessen. Ein Tier lebt gerne im Wasser, während das andere lieber durch die Luft fliegt. Sie sprechen andere Sprachen und sehen verschieden aus, wie Menschen eben auch. Aber alle Tiere, menschlich wie nichtmenschlich, vereint das Interesse schmerzfrei zu leben. Deswegen müssen wir ihnen hier auch dieselben Rechte zugestehen.

Das Recht eines Fuchses zu leben, steht über dem Interesse einer Frau, einen Mantel aus Fuchspelz zu tragen.

Das Recht eines Elefanten, zusammen mit seiner Familie in seiner Heimat zu leben, steht über dem Interesse eines Menschen, sich über ihn im Zirkus lustig zu machen.

Das Recht eines Kaninchens, keine Schmerzen zu ertragen, steht über dem Interesse eines Experimentators, für Kosmetik schmerzhafte Versuche an ihm durchzuführen.

Das Recht eines Rinds, Schweins oder Huhns in Freiheit zu leben, steht über meinem Interesse, ihn oder sie, für den kurzen Gaumenkitzel eines Sandwiches, ein Leben lang einzusperren, das Sonnenlicht zu verweigern und zu töten.

Da wir Rinder, Schweine, Hühner und andere Tiere nicht töten um zu überleben, sondern aus Gewohnheit, Bequemlichkeit, Tradition und Geschmack, haben WIR keinen gerechtfertigten Grund. Es geht nicht um unsere Vorfahren in der Steinzeit, genauso wenig wie um die Menschen, die in Gebieten leben, in denen es keine eßbaren Alternativen gibt. Doch solange wie wir in Supermärkten vor gefüllten Regalen stehen, haben wir eine Wahl. Die Wahl heute Abend, einen Veggieburger anstelle eines Hamburgers zu essen.

Unsere Moral muß lauten „Behandle andere so, wie du auch selbst behandelt werden willst.“ Es gibt keine Ausnahme, die besagt, es sei denn Du hast vier Beine, Fell, Federn, Hörner, einen Schnabel oder Kiemen. Da viele Menschen bereits nach diesem ethischen Grundprinzip leben, kann man, frei nach Helmut F. Kaplan, sagen: “Wir brauchen für den Umgang mit Tieren keine neue Moral. Wir müssen lediglich aufhören, Tiere willkürlich aus der vorhandenen Moral auszuschließen.”