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Madjid Abdellaziz im Gespräch mit Michael Vogt über sein Großprojekt der Wüstenbegrünung «Desert Greening» und dessen globale Resonanz.

Djanan ist ein Ort in Süd-Algerien, am Nordrand der Sahara gelegen. Derzeit gibt es dort nicht mehr als ein landwirtschaftlicher Betrieb, der einigen Familien ernährt. Aber es ist der erste Ort, and dem das Wissen von Desert Greening in seiner ganzen Komplexität ins Leben gerufen wird. Djanan ist damit der Anfang eines Versuchs und Modellprojektes, einer Forschungs- und Lehranstalt in einem. Djanan ist sehr eng verknüpft mit der Geschichte seines Gründers: Madjid Abdellaziz. Djanan ist das Paradies, das Madjid Abdellaziz im Herzen trägt. Djanan ist manifeste Vision, und der einfachste Weg Djanan zu verstehen und von Djanan zu lernen ist sich von der Geschichte Madjids inspirieren zu lassen. Madjid Abdellaziz, gebürtiger Algerier, hatte in den 80ern Informatik an der TU-Berlin studiert. Er war erfolgreich. Und Berlin wurde seine zweite Heimat. Nach dem Studium arbeitete er als Projektleiter und Programmierer bei VW. Obwohl er in Deutschland Fuß gefaßt hatte, hielt er den Kontakt in seine alte Heimat.

Als sich 1993 die Gelegenheit ergab, an einer Expedition in das südliche Algerien teilzunehmen, die sich aus den Aktivitäten auf der ITB ergeben hatte, war Madjid begeistert dabei. Doch es kam zu einem Unglück. Einer der beiden Militärhubschrauber, die sie gechartert hatten um die Touristen zu den Sehenswürdigkeiten zu fliegen, stürzte nach einer Zwischenlandung in der Wüste ab. Madjid sollte in der Unglücksmaschine sitzen. Doch er hatte sich kurzerhand entschieden noch den Müll wegzuräumen, den die Gruppe hinterlassen hatte, und verpaßte den Abflug. 13 Menschen starben, darunter die beiden Kinder des Piloten. Madjid kehrte unversehrt zurück. Er lebte. Er lebte ein geschenktes Leben. Warum er, fragte er sich immer wieder, und nicht die Kinder des Piloten? Es gab Tage an denen er gerne getauscht hätte, doch dieser Weg seine Schuld zu tilgen, seine Dankbarkeit gegenüber dem Leben auszudrücken, stand nicht offen.

In den folgenden Jahren bekam Madjid Kontakt zu einer Reihe von außergewöhnlichen Wissenschaftlern: Prof. Bernd Senf, damals von der FHW Berlin, führte ihn in einen Kreis von Leuten ein, die Wüstenbegrünung betrieben. Die Arbeiten basierten auf den Theorien und Technologien von Victor Schauberger und Wilhelm Reich.

Im Jahr 2003 kam es zu einer extremen Dürre, von der Algerien sowie einige andere Mittelmeeranrainer betroffen waren. Die algerische Regierung überlegte schon Trinkwasser mit Tankern zu importieren. «Du kannst doch nicht untätig dasitzen», sagte Madjids Frau. Aber es gab keine Unterstützung seitens der algerischen Regierung, kein Geld, keinen Auftrag. «Aber Du kannst doch nicht untätig dasitzen», sagte sie. Es gab keine rechtliche Grundlage. Der Bürgerkrieg lag in den letzen Zügen und mit einem Gerät über Land zu fahren, das wie eine Flugabwehrkanone aussieht, wäre eine vielleicht stilvolle Art gewesen Selbstmord zu begehen. «Aber Du kannst doch nicht…». Madjids Zweifel fegte sie vom Tisch: «Auch wenn die Operation nur 1% Erfolg hat, ist schon viel erreicht». Es war Wahnsinn. Aber es war machbar. Die Wüste war es, die Madjid Abdellaziz ein zweites Leben geschenkt hatte, nun würde er es ihr zurückgeben. Die Familie erwarb sich 2004 Land in einer entlegenen, sich augenförmig öffnenden Geländeformation nahe des Dschebel Amour, in der Nähe des Geburtsortes seiner Frau, von Klippen eingeschlossen, zugänglich nur durch zwei in den Fels geschnittene Schluchten. Leicht zu kontrollieren. Von außen kaum einsehbar. Das Land gehörte bis dahin der Regierung, wurde von der Gemeindeverwaltung in El Haouita verwaltet, und traditionell von den dort ansässigen Nomaden mit ihren Ziegen- und Schafherden beweidet.

Madjid baute einen Cloudbuster, und einige andere Dinge, die er in Berlin kennengelernt hatte. Die Wetteroperation gelang. Schon nach zweieinhalb Stunden bildeten sich die ersten Wolken, nach fünf Stunden war der Himmel schwarz und von Wetterleuchten durchzogen. Eine halbe Stunde später regnete es. Es folgten weitere Operationen in Djanan. Im Umkreis von 100 km normalisierte sich das Klima – es regnete so viel, daß die Stauseen bald zum bersten gefüllt waren. Es war das Ende der algerischen Dürre. Und der Anfang von etwas größerem.

Und Ägypten (SEKEM), Kanada, China (innere Mongolei), Emirate, Mongolei (Ulan Bataar) und Portugal (Tamera) kamen im Verlauf der Jahre hinzu. Und Iran und Kasachstan zeigen Interesse.