Dr. med. vet. Andreas Becker im Gespräch mit Michael Vogt über sogenannte Grenzwerte in Lebensmitteln, Chemikalien und Medikamenten und deren vermeintliche gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Die eigentlichen Hintergründe von BSE und dem Creutzfeld-Jakob-Syndrom weisen auf ein ganz an-deres Problem: die verschwiegene Wirkung von Giftstoffen in ihrer kumulierten Wirkung: Was als einzelne Giftstoffgabe als unbedenklich deklariert wird, erweist sich in der Addition z. T. als tödlich. Wahrheiten, die weder Wissenschaft noch Chemie- und Pharmaindustrie hören wollen.

Die Geschichte der Medizin ist eine Geschichte der Irrtümer. Neurodegenerative Erkrankungen zeigen sich histologisch durch vermehrte Bildung von Vakuolen und/oder unlöslichen Aggregaten in verschiedenen Bereichen des Nervensystems.

Prionkrankheiten sind primär keine transmissible sondern genauer bezeichnet triggerbare d.h. aus-lösbare spongiforme Enzephalopathien (TSE). Der Pathogenitätsmechanismus besteht in der Umwandlung der helikalen Tertiärstruktur eines Eiweißes in eine Faltblatt-Struktur. Dieser Vorgang ist positiv rückgekoppelt, d.h. die Faltblattstruktur regt die Bildung weiterer Faltblätter aus der helikalen Form an. Prusiner hat genau dieses Faltblatt isoliert und im Rahmen des erregerzentrischen Weltbildes der wissenschaftlichen Medizin wurde daraus ein «protein only»- Erreger gemacht.

Dieses Infektionsmodell funktioniert eigentlich nur unter Laborbedingungen, denn dem Erreger fehlt die nötige Penetranz um epidemiologisch unter natürlichen Feldbedingungen eine BSE Krise verursacht haben zu können. Penetranz beschreibt das tatsächliche Auftreten einer Infektionskrankheit unter den gegebenen Bedingungen.

Die bedeutend wichtigere Erforschung der Auslösung des Trigger-Mechanismus zur Konformationsänderung von Prionen – spontan ausgelöst bzw. durch Alterung, Umwelt- oder genetische Faktoren oder Medikamente begünstigt – fand zu Gunsten der wissenschaftlichen Untermauerung der Infektionshypothese fast überhaupt nicht statt. Dabei steht fest, dass Kupfermangel, Manganüberversor-gung und oxidativer Streß den Konformationswechsel begünstigen. Direkt gefördert aber wird die-ser durch eine zu hohe neuronale GABA-stimulierte Hyperpolarisation verursacht durch makrozyklische Laktone und Benzodiazepine.

Diese multifaktorielle interdisziplinäre Intoxikationshypothese eines ganzheitlich denkenden praktischen Tierarztes wurde auf dem internationalen Kongreß PRION 2010 in Salzburg präsentiert. Sie wurde genauso übersehen wie die Tatsache daß ganz nebenbei das Rätsel der biologischen Funktion der Prione gelöst wurde, ein Rätsel, das selbst die Nobelpreisträger Prusiner und Wüthrich sowie der Prion-Papst Aguzzi bis heute nicht gelöst haben.

Eine ganzheitliche, wahre, bis ins Detail recherchierte Intoxikationshypothese scheitert an der Arroganz und der mangelnden Dialogbereitschaft führender Prionforscher, der fehlenden fachlichen Kompetenz von Verbraucherschutz- und Gesundheitsministern, die sich in ihrem Aktionismus nur von rein wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen, dem Fehlen investigativer Journalisten im Bereich der Medizinwissenschaft sowie am verständlichen Desinteresse der Pharmaindustrie, die keinen Contergan in den Schatten stellenden Pharmaskandal aufkommen lassen will. Die Hypothese wird übrigens auf dem PRION 2012 in Amsterdam wieder vorgestellt, diesmal unter dem Titel «Ich sehe was, was du nicht siehst …».